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Islamfeindliche Bezirksbürgermeisterin verliert ihr Amt

Nachtrag zu „Politikerin hetzt gegen Muslime (12. Juli):
Gerda Horitzky verliert ihr Amt als Bezirksbürgermeisterin der Dortmunder  Nordstadt. (Hier ein Beitrag dazu in der Online-Ausgabe der Ruhrnachrichten) Ein Monat ist vergangen, seit sie mit ihrer offenen Ablehnung gegen Kopftücher für Aufsehen gesorgt hat.

Einen Monat hat die SPD gebraucht, um sich gegen die Bezirksbürgermeisterin zu entscheiden. Nun erreichen die Genossen in der Bezirksvertretung Nord gemeinsam mit Grünen, Linken und Piraten die nötige Zweidrittelmehrheit für eine Abwahl der 72-Jährigen.

Was es da so lang zu überlegen gab, ist zwar rätselhaft, viel schlimmer ist es jedoch, dass die CDU sich offen hinter Frau Horitzky stellt. Steffen Kanitz, Kreisvorsitzender der CDU Dortmund nimmt die Dame gar öffentlich in Schutz. Sie sei ganz sicher kein ausländerfeindlicher Mensch, sagt er in einem Interview in der Printausgabe der Ruhrnachrichten vom 9. August. Ach nein? Interessant!

Wie bitte soll man Sätze wie „Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nur noch Kopftücher. Ich will aber keine mehr sehen!“ sonst deuten? Ob Herr Kanitz wohl auch dann seine schützende Hand über Frau Horitzky gehalten hätte, wenn sie SPD-Mitglied wäre und nicht wie Herr Kanitz in der CDU?

Linktipp: Hier ein Bericht zur Reaktion von Steffen Kanitz auf Nordstadtblogger.

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Politikerin hetzt gegen Muslime

Bei der Lektüre der zweiten Lokalseite der Dortmunder Ruhrnachrichten hätte ich mich heute Morgen fast an meinem Kaffee verschluckt. Unter dem Titel „Angst vor einem Stück Stoff“ wird dort von einem Leserbrief aus der Feder von Gerda Horitzky berichtet (Hier der Bericht online). Die 72-Jährige ist Vorsitzende der CDU Innenstadt-Nord und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin. Offensichtlich hat sie ein gewaltiges Problem mit Kopftüchern im Speziellen und Muslimen im Allgemeinen.

Der Hintergrund: Eine Krankenschwester des St-Johannes-Hospitals wurde gekündigt, weil sie mit Kopftuch zur Arbeit erschien, obwohl ihr Arbeitgeber dies untersagt hatte.  Daraufhin ist das Thema Kopftuch in die öffentliche Diskussion geraten und brachte Frau Horitzky schließlich dazu ihre Angst vor Überfremdung zum Ausdruck zu bringen. Hier ein paar Zitate der Dame:

„Es kann nicht sein, dass unsere christlichen Konfessionen überall muslimisch unterlaufen werden, zumal wir für Muslime sowieso nur Ungläubige sind.“

„Ich als Nordstädterin würde im Krankheitsfall ins St.-Johannes-Hospital gehen, um mal eine Zeit ohne Kopftücher zu erleben.“

„Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nur noch Kopftücher. Ich will aber keine mehr sehen!“

Das ist unverhohlener Rassismus, garniert mit einer gehörigen Portion Zynismus, denn laut der Angaben über Gerda Horitzky auf der Homepage der CDU-Fraktion ist ihre Aufgabe die „Integration der türkischen Mitbürger mit bestimmten Vorgaben, wie z.B. das Beherrschen der deutschen Sprache“.

Ich kann nur hoffen, dass die CDU, die sich umgehend von Horitzkys Aussagen distanziert hat,  sie schnellstens aus der Partei wirft! Wer als Politikerin ein dermaßen diskriminierendes Veralten an den Tag legt, hat das Recht auf jegliches Amt verwirkt. Das gilt ganz besonders, wenn ihr Aufgabenbereich die Menschen umfasst, gegen die sie jetzt öffentlich Stimmung macht!

Fotos gegen das Fremde

Vorurteile gibt es viele gegen die Dortmunder Nordstadt. Der größte Stadtteil der Ruhrgebietstadt hat einen schlechten Ruf: dreckig, gefährlich, zu viele Ausländer. Zugegeben: Viele Negativ-Schlagzeilen werden tatsächlich dort geschrieben – zwischen Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz. Oft sind dabei Menschen involviert, dessen Namen nicht deutsch klingen, dessen Haut nicht hell ist, dessen Deutsch nicht fehlerfrei. Pauschal: Ausländer.

Ist in der Nordstadt etwas Vorgefallen heißt es gleich: „Das war bestimmt ein Ausländer.“  Auch dann, wenn noch gar kein Täter gefunden wurde. Die Menschen haben Vorurteile. Gegen die Nordtstadt, gegen die Menschen, die dort leben. Regelmäßig in der Gegend jenseits des Hauptbahnhofs unterwegs ist der Dortmunder selten. Aus Angst? Vielleicht.

Mit einem Fotoprojekt soll sich das nun ändern. „Heimat 132“ heißt es.  Eine Stunde lang begleiter der Fotograf Peymann Azhari die Bewohner der Nordstadt durch ihre Heimat. Einen Menschen aus jeder der dort vertretenen 132 Nationen will er ablichten, ihre Geschichte erzählen, mit ihnen die Nordstadt entdecken.

Was fremd war, soll vertraut werden. Was vertraut ist, macht keine Angst mehr. Vorurteile können überdacht und abgebaut werden. Das zumindest ist das Ziel des Projekts, welches in Zusammenarbeit mit der Auslandsgesellschaft entstanden ist.

Sicher wird „Heimat 132“ die Kriminalitätsrate in der Nordstadt nicht senken, die Straßenzüge werden nicht gepflegter aussehen und die Deutschen werden weiter bevorzugt in einem anderen Teilen der Stadt wohnen. Eins jedoch könnte das Projekt schaffen: Nähe. Wer die Gesichter der Menschen auf den Fotos betrachtet und ihre Geschichte liest, wird merken: Die in der Nordstadt, das sind keine Ausländer. Das sind Menschen.