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Polizist hetzt rassistisch gegen Kollegin

Ein Polizeianwärter in Aachen hat rassistisch gegen eine seiner Kolleginnen gehetzt. Ein eingeritztes Hakenkreuz auf ihrem Textmarker, Beleidigungen in der Whats-App-Gruppe der Kursteilnehmer und fremdenfeindliche Einträge mit rechtsextremer Tendenz in weiteren sozialen Netzwerken. Der Bericht der Rheinischen Post ist alarmierend.

Sicher, auch die Polizei bildet ein Abbild der Gesellschaft. Dass in den Reihen derer, die sich eigentlich für den Schutz der Bürger einsetzen sollten, Schläger, Ku-Klux-Klan-Mitglieder und Waffennarren ausgemacht werden, kommt vor. Auch dass ein Polizist ideologisch weit rechts der Mitte steht, ist nicht zum ersten Mal passiert. Dennoch: Immer dann, wenn ein solcher Vorfall wieder zur Schlagzeile geworden ist, ist das ein Alarmsignal, ein erschreckender Hinweis. Wie soll zwischen Bürger und Polizei ein Vetrauensverhältnis entstehen und bestehen bleiben, wenn man nicht sicher sein kann, dass der Mensch in der Uniform auch tatsächlich für die Rechte der Bürger eintritt?

Der Aachener Polizeianwärter ist vom Dienst suspendiert, Ermittlungen gegen weitere junge Polizisten laufen. Das ist richtig und wichtig. Nur durch striktes Durchgreifen kann die Polizei ein Zeichen setzen, nur so kann sie das durch einen solchen Vorfall ramponierte Image zurecht rücken. Doch ein Unbehagen bleibt. Eine Unruhe. Ein kleiner Zweifel, der immer wieder fragt, ob da nicht noch mehr sind, weitere Polizisten, die diesen Beruf eigentlich gar nicht haben dürften.

Die Polizistin, die unter den Angriffen ihres Kollegen leiden musste, hat einen Migrationshintergrund. Dass sie in den eigenen Reihen rassistisch behandelt wurde, wird andere Migranten und deren Nachkommen sicher nicht dazu animieren, eine Karriere bei der Polizei zu beginnen. Dabei könnten gerade Polizisten mit nicht-deutschen Familien der Polizei eine große Hilfe sein. Ihr kultureller Hintergrund könnte ihnen im Umgang mit Straftätern helfen, die vielleicht ähnlich aufgewachsen sind, ähnliches erlebt haben. Da, wo dem deutschen Polizisten Verständnis und Einfühlungsvermögen fehlen, weil er eben kulturell anders verwurzelt ist, könnten sie vielleicht ein ein Stück weiter kommen, Vertrauen schaffen, Respekt einfordern.

Der Vorfall in Aachen wird nicht der letzte seiner Art gewesen sein. Rassismus ist ein großes Problem unserer Gesellschaft. Neben Politikern, Verbänden und Initiativen ist auch die Polizei in der Pflicht sich an vorderster Front dagegen einzusetzen – in den eigenen Reihen wie in der Bevölkerung. Nur wenn wir Rassismus als Feind eines friedlichen Miteinanders begreifen, nur wenn wir einander respektieren und füreinander eintreten, kann unsere Gesellschaft auf Dauer funktionieren. Mit jeder rassistischen Handlung entsteht ein Riss. Schaffen wir es nicht, die Risse zu kitten, werden wir eines Tages vor einem Krater stehen, der alles in die Tiefe reißt.
Nachtrag 17.9.: Mittlerweile ist ein zweiter Polizeianwärter vom Dienst suspendiert worden. Der 2-Jährige gilt als Mittäter. Hier der Bericht auf RP online.