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Kleider machen Leute!?

Eine lockere Unterhaltung über dieses und jenes – bis es plötzlich um Kopftücher geht. Darum, dass dieses kleine Stück Stoff für manche Menschen so eine große Sache ist. Religiös, politisch, gesellschaftlich. Tja nun, sage ich, soll doch jeder machen, wie er mag. Unter so einem Tuch kann ein kluger Kopf stecken. Jaja, sicher, sagt die Frau, aber so ganz in Ordnung sei das ja nicht. In der Türkei müssten wir Nicht-Muslime uns ja schließlich auch anpassen. Die Röcke nicht zu kurz, die Schultern bedeckt, die Kurven nicht allzu sehr zur Schau gestellt. Dann sollten sich die Muslime in Deutschlan doch auch unseren Regeln anpassen können. So ein Kopftuch das könnten die dann ja zuhause tragen. Ob sie sich nicht unwohl fühle, wenn man ihr vorschreiben wolle, wie sie sich zu kleiden habe, frage ich. Doch, doch, sagt sie. Das sei schon nicht so schön. Ob es dann nicht besser sei, dass hier jeder tragen könne, was er möchte, will ich wissen. Ja doch, sagt sie. Aber trotzdem.

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Antisemitismus auf deutschen Straßen

Was derzeit bei Demonstrationen gegen das Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza passiert, ist erschreckend. Demonstranten halten Plakate  mit Karten vom Nahen Osten hoch, auf denen Israel nicht existiert, sie rufen und zeigen Parolen wie „Tod den Juden“, „Früher angeblich Opfer, heute selber Täter“, „Kindermörder Israel“ und dergleichen mehr. Antisemitismus ist zurück in der deutschen Öffentlichkeit. Demonstrationen mit derlei Hetze gegen Juden gibt seit der neuesten Eskalation des Nahost-Konfliktes in vielen deutschen Städten, etwa in Essen, München und Berlin.

Nach anfänglicher Überraschung ist die Polizei nun mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort, versucht antisemitische Plakate und Demonstranten aus der Menge zu fischen und Eskalationen zu vermeiden. Ebenso wie Demonstrationen von Rechtsradikalen müssen nun auch die Pro-Palästina-Demos, die leider viel zu oft in Antisemitische Kundgebungen umschlagen, geduldet werden.

Doch anders als bei den Demos der Rechten, gibt es bisher kaum Gegenveranstaltungen. Wo sind die Kirchenvertreter, die sonst gegen Nazis auf die Straße gehen, wo sind die Bündnisse gegen Rechts, die sicher de Möglichkeit hätten, jetzt gegen Antisemitismus zu demonstrieren, wo sind die Bürger, die nicht zulassen wollen, dass Hass gegen Juden in Deutschland wieder gesellschaftsfähig wird? Bisher kaum präsent. Auch wenn aus der Täter-Generation des NS-Regimes heute kaum noch jemand lebt, ist die Untätigkeit der Gesellschaft in dieser Sache kaum zu ertragen.

Israelis und Juden werden vielfach gleichgesetzt, doch nicht jeder Jude ist Israeli und nicht jeder Israeli ist Jude. Wer öffentlich eine Kippa trägt, muss offenbar Angst haben angegriffen zu werden, Synagogen wie jüdische Einrichtungen stehen mittlerweile unter erhöhtem Schutz. Und  in Dortmund kam es bei einem Freundschaftsspiel zweier Fußballmannschaften zu Angriffen gegen die Spieler des israelischen Gast-Teams.

Was haben die Juden in Deutschland mit dem Verhalten der israelischen Regierung zu tun? Gar nichts! Welche Schuld trägt das Judentum an den Toten in Gaza? Gar keine! Welches Recht haben die Demonstranten gegen Menschen zu hetzen, nur weil sie Juden oder Israelis sind? Gar keines! Juden und Israelis stehen nicht als Gesamtheit für den Krieg.

Demonstrationen sollten stattfinden, aber friedlich und nicht gegen eine bestimmte Gruppe gerichtet, sondern gegen den Krieg als solches. Gegen den Bombenhagel der Israelis, gegen die Hamas, die die Zivilbevölkerung als Schutzschilde benutzt. Gegen das Töten auf beiden Seiten. Der Konflikt in Gaza ist tief verwurzelt. Beschuldigungen der einen Seite gegen die andere, werden nicht zu einer Lösung beitragen. Die Menschen, Regierungen wie Gruppierungen sollten sich die Hand reichen und Frieden schließen. Das wird jedoch wohl noch lange nicht passieren und so lange sollten die Menschen, die auf beiden Seiten unter dem Krieg leiden für Frieden auf die Straße gehen. Gemeinsam. Alle gegen denselben Feind. Den Krieg als solches.

„Deutschland, Deutschland über alles“

Im Freudentaumel über einen Sieg der deutschen Nationalmannschaft kann man schon mal über die Stränge schlagen. Das dachte sich offenbar auch Jakob Reichmann. Der 18-Jährige ist Vorstandsmitglied der CDU Münster-Gremmendorf und war am Montagabend nach dem WM-Sieg gegen Portugal so außer sich vor Freude, dass er das unbedingt mit seinen Facebook-Freunden teilen wollte. „Deutschland, Deutschland über alles“, schrieb der Jungpolitiker auf seiner Seite. Nicht sein erster Fehltritt zwei Schritte rechts seiner Partei. Weihnachten 2012 ließ er sich mit der Jungen Union Münster unter der Reichsflagge ablichten (Link: Foto rechts außen). Wie damals hagelt es auch jetzt wieder Kritik.

Dabei hat der junge Mann das bestimmt gar nicht so gemeint. Bestimmt hat er in der Schule einfach nicht richtig aufgepasst. Bestimmt hat er kurz vergessen, dass das D in CDU für demokratisch steht. Bestimmt hat er nicht gewusst, dass er als Vorstandsmitglied in der Öffentlichkeit steht und solche Sätze bei der Image-Bildung nicht hilfreich sind. Ganz bestimmt.

Mittlerweile (19. Juni.) hat Jakob Reichmann seinen Post gelöscht und sich entschuldigt. Hier ein Bericht dazu in der Online-Ausgabe der Münsterschen Zeitung und hier ein weiterer in der Online-Ausgabe der Westfälischen Nachrichten.

Der Gremmendorfer CDU-Chef Marc Würfel-Elberg hat sich nun hinter sein Parteimitglied gestellt und verteidigt den Facebook-Post als „patriotisch“. Dazu gibt es hier einen Bericht in der Online-Ausgabe der Münsterschen Zeitung.