Freizeit für Schläger

Heute war ich im Park. Ich wollte in Ruhe lesen und die Sonne genießen, als sich ganz in der Nähe zwei Männer niederließen. Mein erster Gedanke: Die sind gewaltbereit, vielleicht Hooligans oder Rechtsradikale. Mein schlechtes Gewissen, weil ich vom Aussehen (schwarze Kleidung, Lonsdale-Shirt, einer trug Glatze) auf die Gesinnung schloss, hielt nicht lange an. Die Musik, die wenig später aus ihrem Handy dröhnte, war eindeutig. Was mich schließlich komplett überzeugte, war der Satz, den der eine zum anderen sagte: „Boah, voll geil, Alter, endlich ma ’n Wochenende ohne Bahnhof, ohne Schlägerei, ohne Bullen.“ Auch Schläger brauchen wohl mal Freizeit.

Advertisements

Hoffentlich hat’s geschmeckt

Es ist der Wahlabend des 25. Mai. Bei der Arbeit erreicht uns die Nachricht, dass eine Gruppe Rechtsextremisten in Dortmund dabei ist, das Rathaus zu stürmen. Sie greifen Gäste der Wahlparty mit Pfefferspray  an, skandieren Parolen wie „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Es gibt Fotos, Videos, ein Kollege erkennt manche Angreifer wieder. „Die waren heute Nachmittag noch in der Eisdiele“, erzählt er. Die wird von Italienern betrieben. Na, hoffentlich hat’s wenigstens geschmeckt.

Wählerwerbung

Der Freund einer Freundin war auf dem Weg durch Dortmunds Stadtteil Dorstfeld, als er an einem Wahlstand der rechtsextremen Partei „Die Rechte“ vorbeikam. Sofort kam ein junger Mann auf ihn zu, drückte ihm ein paar Infozettel in die Hand und munterte ihn auf, wenn möglich am 25. Mai wählen zu gehen. So weit nicht ungewöhnlich, doch „Die Rechte“ tritt in der Regel ausländerfeindlich auf, der Freund der Freundin, der am 25. Mai wenn möglich „Die Rechte“ wählen soll, ist dunkelhäutig.

„Nazi-Bäcker“

Eine Kollegin ist umgezogen. Ganz in der Nähe ihrer neuen Wohnung fand sie eine Bäckerei und freute sich schon, dass sie dann morgens immer frische Brötchen würde kaufen können. Bei ihrem ersten Besuch kam sie mit der Verkäuferin ins Gespräch und erzählte, dass sie neu in der Gegend sei. Darauf die Verkäuferin: „Ist schön hier im Viertel. Hier gibt’s auch nicht so viele Ausländer.“ Nun hat sie eine Kundin weniger. Die Kollegin ist zur Hälfte russisch und läuft für frische Brötchen nun lieber etwas weiter. Der Bäcker um die Ecke heißt jetzt nur noch „Nazi-Bäcker“

„Armes Negerlein“

Heute stand ich in Ronda/Andalusien am Busbahnhof. Ganz in der Nähe ein deutsches Ehepaar (Stilecht mit Socken und Sandalen). Es ist 20 Minuten(!) vor Abfahrtszeit und sie wird schon ganz nervös: „Warum kommt denn der Bus nicht? Dass die hier aber auch nie pünktlich sein können. Jetzt kommen wir bestimmt nicht pünktlich zum Abendessen.“ Typisch deutsch, denke ich. Plötzlich zupft sie ihn am Ärmel, zeigt auf einen dunkelhäutigen Mann am Eingang zur Wartehalle und sagt: „Guck mal, das arme Negerlein. Er hat kaum noch Zähne im Mund.“

Bloggerin, Journalistin, Fotografin

%d Bloggern gefällt das: