Antisemitismus auf deutschen Straßen


Was derzeit bei Demonstrationen gegen das Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza passiert, ist erschreckend. Demonstranten halten Plakate  mit Karten vom Nahen Osten hoch, auf denen Israel nicht existiert, sie rufen und zeigen Parolen wie „Tod den Juden“, „Früher angeblich Opfer, heute selber Täter“, „Kindermörder Israel“ und dergleichen mehr. Antisemitismus ist zurück in der deutschen Öffentlichkeit. Demonstrationen mit derlei Hetze gegen Juden gibt seit der neuesten Eskalation des Nahost-Konfliktes in vielen deutschen Städten, etwa in Essen, München und Berlin.

Nach anfänglicher Überraschung ist die Polizei nun mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort, versucht antisemitische Plakate und Demonstranten aus der Menge zu fischen und Eskalationen zu vermeiden. Ebenso wie Demonstrationen von Rechtsradikalen müssen nun auch die Pro-Palästina-Demos, die leider viel zu oft in Antisemitische Kundgebungen umschlagen, geduldet werden.

Doch anders als bei den Demos der Rechten, gibt es bisher kaum Gegenveranstaltungen. Wo sind die Kirchenvertreter, die sonst gegen Nazis auf die Straße gehen, wo sind die Bündnisse gegen Rechts, die sicher de Möglichkeit hätten, jetzt gegen Antisemitismus zu demonstrieren, wo sind die Bürger, die nicht zulassen wollen, dass Hass gegen Juden in Deutschland wieder gesellschaftsfähig wird? Bisher kaum präsent. Auch wenn aus der Täter-Generation des NS-Regimes heute kaum noch jemand lebt, ist die Untätigkeit der Gesellschaft in dieser Sache kaum zu ertragen.

Israelis und Juden werden vielfach gleichgesetzt, doch nicht jeder Jude ist Israeli und nicht jeder Israeli ist Jude. Wer öffentlich eine Kippa trägt, muss offenbar Angst haben angegriffen zu werden, Synagogen wie jüdische Einrichtungen stehen mittlerweile unter erhöhtem Schutz. Und  in Dortmund kam es bei einem Freundschaftsspiel zweier Fußballmannschaften zu Angriffen gegen die Spieler des israelischen Gast-Teams.

Was haben die Juden in Deutschland mit dem Verhalten der israelischen Regierung zu tun? Gar nichts! Welche Schuld trägt das Judentum an den Toten in Gaza? Gar keine! Welches Recht haben die Demonstranten gegen Menschen zu hetzen, nur weil sie Juden oder Israelis sind? Gar keines! Juden und Israelis stehen nicht als Gesamtheit für den Krieg.

Demonstrationen sollten stattfinden, aber friedlich und nicht gegen eine bestimmte Gruppe gerichtet, sondern gegen den Krieg als solches. Gegen den Bombenhagel der Israelis, gegen die Hamas, die die Zivilbevölkerung als Schutzschilde benutzt. Gegen das Töten auf beiden Seiten. Der Konflikt in Gaza ist tief verwurzelt. Beschuldigungen der einen Seite gegen die andere, werden nicht zu einer Lösung beitragen. Die Menschen, Regierungen wie Gruppierungen sollten sich die Hand reichen und Frieden schließen. Das wird jedoch wohl noch lange nicht passieren und so lange sollten die Menschen, die auf beiden Seiten unter dem Krieg leiden für Frieden auf die Straße gehen. Gemeinsam. Alle gegen denselben Feind. Den Krieg als solches.

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