Ausländer, Südländer, Vergewaltiger


Da tritt er wieder in Aktion, der Ausländer, der Südländer, der Vergewaltiger. Wer sonst sollte am frühen Morgen in der Dortmunder Innenstadt ein 17-jähriges Mädchen vergewaltigen, wenn nicht jemand, der gar nicht hierher gehört – nach Deutschland, wo es so etwas wie Verbrechen, geschweige denn etwas derart Widerwärtiges wie Vergewaltigungen erst gibt, seit die Regierung die Tore für Zuwanderer geöffnet hat?

Der Deutsche etwa? Ganz sicher nicht! Da herrscht bei zahlreichen Kommentatoren unter einem Ruhrnachrichten-Bericht über die Vergewaltigung bei Facebook große Einigkeit. Hier einige Beispiele:

Tobias Dahl: „Noch mehr rein lassen. Verkaktes Deutschland

Ralf Lehmann: „Es waren Südländer steht im Bericht“
[Anm. der Autorin: Steht es nicht]

Catharine Gerth: „Tut mir leid das ich das sage,aber wir deutsche lassen uns zu viel gefallen.das wird immer weiter so gehen weil die Politiker jedes pack hier rein lässt,klar könnten es auch deutsche gemacht haben glaub ich aber nicht…da sich die Ausländer immer mehr raus nehmen.wir werden auf der straße von Rumänen,ziegeunern und was es noch so gibt beklaut und dann lachen die uns noch aus wenn wir die dabei erwischen.da Frage ich mich wie weit das noch so geht?es gibt auch nette Ausländer,aber das ist auch nur noch eine handvoll.“

Edis Djerlek: „Seit die Rumänen und Bulgaren in Dortmund eingezogen sind gehts immer nur berg ab…“

Krijstian De Boer: „Warum die Südländer immer beschuldigt werden? Weil die es so gut wie immer sind, sei es Raub, Diebstahl oder andere Verbrechen. Wovon ich aber die Deutschen nicht ausnehmen möchte.“

In dem Bericht steht mit keinem Wort etwas über die Nationalität der Täter. Ein südländisches Aussehen wird lediglich in der Pressemitteilung der Polizei erwähnt. Dennoch scheint der Tatbestand Vergewaltigung für manche schon ausreichend zu sein, um den Ausländer als Sündenbock in den Ring zu schicken.

Da ist ein Mädchen vergewaltigt worden – von zwei Männern.  Und das erste was manchen Menschen dazu einfällt, ist der böse Fingerzeig auf Ausländer. Das ist unfassbar. Als wären Deutsche dazu nicht fähig. Als würde Vergewaltigung in anderen Kulturen nicht als mindestens ebenso widerwärtig, ehrlos und verabscheuungswürdig angesehen werden wie hierzulande.

Neben Hinweisen auf die Nationalität der Täter steht in dem Ruhrnachrichten-Bericht übrigens auch nichts zum Hintergrund des Opfers. Das Mädchen könnte deutsch sein, könnte aber auch aus einer Einwandererfamilie stammen. Macht es das dann für die rechtsgerichteten Kommentatoren besser? Ist das Mädchen dann aus ihrer verqueren Sicht wohlmöglich selbst Schuld? Hat es dann verdient, dass zwei Männer es überwältigt, es festgehalten, es erniedrigt haben?

Vergewaltigt zu werden ist grausam. Der Terror für das Opfer kaum in Worte zu fassen. Mit welcher Selbstverständlichkeit manche Menschen es auch bei einer solchen Straftat noch fertig bringen, ihren rassistischen Gedankenspielen freien Lauf zu lassen, ist unfassbar.

Glücklicherweise denken nicht alle der Kommentatoren so. Viele sind in Gedanken bei dem Mädchen und wünschen ihm Kraft, die Erlebnisse möglichst unbeschadet zu verarbeiten. Manche machen ihrem Ärger über die rechtsradikalen Äußerungen Luft. Dass es jedoch überhaupt zu derlei Kommentaren kommt, zeigt, dass gesellschaftlich etwas gehörig schief läuft.

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Ein Gedanke zu „Ausländer, Südländer, Vergewaltiger“

  1. Als ich deinen Text angefangen habe, war ich kurz der Meinung du würdest diese Kommentare unterstützen, bis ich zum Glück vom Gegenteil überzeugt wurde. (:
    Ich finde es wirklich traurig, dass man Menschen so einfach in „Nationen “ unterteilt und ihnen einen Stempel aufsetzt. Kommst du aus Rumänien, bist du gleich ein Bettler oder klaust. Woher kommt bloß diese Abneigung? Durch die Medien selbst. Warum betonen die Medien die Nation im diesen Fall? Weil es den kleinen Hass gegenüber Ausländern noch weiter fördert. Seit dem 11/9 setzen Medien immer wieder südländische Mitbürger mit negativen Schlagzeilen in Verbindung. Wenn sich ein Irrtum bestätigt, interessiert es keinen mehr- denn das Bild des bösen Südländers ist schon in den Köpfen der Menschen. BIs heute glauben viele der Irak hätte wirklich den Krieg mit den USA angefangen, weil es medienwirksam verkauft wurde- ohne wirkliche Beweise.
    Das nennt man psychologische Kriegsführung. Es ist traurig, aber zum Glück gibt es Menschen, die sich kritisch damit auseinandersetzen!
    Top!

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