Fotos gegen das Fremde


Vorurteile gibt es viele gegen die Dortmunder Nordstadt. Der größte Stadtteil der Ruhrgebietstadt hat einen schlechten Ruf: dreckig, gefährlich, zu viele Ausländer. Zugegeben: Viele Negativ-Schlagzeilen werden tatsächlich dort geschrieben – zwischen Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz. Oft sind dabei Menschen involviert, dessen Namen nicht deutsch klingen, dessen Haut nicht hell ist, dessen Deutsch nicht fehlerfrei. Pauschal: Ausländer.

Ist in der Nordstadt etwas Vorgefallen heißt es gleich: „Das war bestimmt ein Ausländer.“  Auch dann, wenn noch gar kein Täter gefunden wurde. Die Menschen haben Vorurteile. Gegen die Nordtstadt, gegen die Menschen, die dort leben. Regelmäßig in der Gegend jenseits des Hauptbahnhofs unterwegs ist der Dortmunder selten. Aus Angst? Vielleicht.

Mit einem Fotoprojekt soll sich das nun ändern. „Heimat 132“ heißt es.  Eine Stunde lang begleiter der Fotograf Peymann Azhari die Bewohner der Nordstadt durch ihre Heimat. Einen Menschen aus jeder der dort vertretenen 132 Nationen will er ablichten, ihre Geschichte erzählen, mit ihnen die Nordstadt entdecken.

Was fremd war, soll vertraut werden. Was vertraut ist, macht keine Angst mehr. Vorurteile können überdacht und abgebaut werden. Das zumindest ist das Ziel des Projekts, welches in Zusammenarbeit mit der Auslandsgesellschaft entstanden ist.

Sicher wird „Heimat 132“ die Kriminalitätsrate in der Nordstadt nicht senken, die Straßenzüge werden nicht gepflegter aussehen und die Deutschen werden weiter bevorzugt in einem anderen Teilen der Stadt wohnen. Eins jedoch könnte das Projekt schaffen: Nähe. Wer die Gesichter der Menschen auf den Fotos betrachtet und ihre Geschichte liest, wird merken: Die in der Nordstadt, das sind keine Ausländer. Das sind Menschen.

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